Kaltwassertherapie – ob durch Kaltwasserschwimmen oder Eisbäder – ist nicht nur ein intensives Erlebnis, sondern kann auch therapeutische Effekte haben. Allgemein gilt eine Wassertemperatur zwischen 10 und 15 °C als ideal für den Cold Pod, wobei diese Werte je nach individuellen Voraussetzungen variieren können.
Erfahrene Freiwasserschwimmer sind oft deutlich niedrigere Temperaturen gewohnt. Doch weniger ist nicht automatisch besser. In diesem Beitrag betrachten wir die möglichen Risiken von Kälteexposition und erklären, wie der menschliche Körper auf kaltes Wasser reagiert.
Risiken von kaltem Wasser
Wie bei jeder körperlichen Aktivität birgt auch die Exposition gegenüber kaltem Wasser gewisse Risiken.
In Großbritannien liegt die durchschnittliche Meerestemperatur im Winter zwischen 6 und 10 °C und im Sommer zwischen 15 und 20 °C, abhängig von Region und Wetterbedingungen. Leitungswasser aus dem Kaltwasserhahn hat im Durchschnitt eine Temperatur zwischen 10 und 20 °C.
Das bedeutet, dass Menschen beim Schwimmen oder Eisbaden oft Temperaturen ausgesetzt sind, die unter den allgemein empfohlenen Werten liegen – was das Risiko für gesundheitliche Probleme erhöhen kann.
Ein mögliches Risiko ist die sogenannte nicht-frierende Kälteschädigung, besser bekannt als Grabenfuß oder Immersionsfuß. Diese entsteht, wenn Extremitäten wie Hände oder Füße über längere Zeit feuchten, kalten Bedingungen ausgesetzt sind. Typische Symptome sind Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen.
Bei den meisten Menschen verschwinden diese Beschwerden kurz nach dem Verlassen des Wassers. Bei einer nicht-frierenden Kälteschädigung können die Symptome jedoch über Jahre bestehen bleiben, da Nerven oder Muskeln dauerhaft geschädigt werden können.
Ein weiteres ernstzunehmendes Risiko ist der Kaltwasserschock.
Was passiert im Körper bei Kälteeinwirkung?
Beim Eintauchen in kaltes Wasser reagiert der Körper sofort. Die auffälligste Reaktion ist der Kaltwasserschock, den viele kennen: ein unwillkürliches Einatmen, gefolgt von schneller, unkontrollierter Atmung.
Diese Atemreaktion geht einher mit:
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einer erhöhten Herzfrequenz
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einem Anstieg des Blutdrucks
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einer verminderten Durchblutung der Haut
Diese Veränderungen entstehen durch die rasche Abkühlung der Haut. Sie bieten keinen gesundheitlichen Nutzen, sondern belasten das Herz-Kreislauf-System und erhöhen das Risiko, Wasser einzuatmen – besonders gefährlich beim offenen Gewässer.
Aus diesem Grund ist es wichtig, nur bei guter körperlicher Gesundheit mit Kaltwasseranwendungen zu beginnen und besonders vorsichtig beim ersten Kontakt mit kaltem Wasser zu sein.
Einfluss von kaltem Wasser auf den Kreislauf
Während die sichtbaren Effekte wie Atemreaktionen sofort auftreten, laufen unter der Haut komplexe Prozesse ab – insbesondere im Kreislaufsystem.
Um Wärmeverlust zu reduzieren, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Dieser Vorgang wird als Vasokonstriktion bezeichnet. Dadurch wird die Durchblutung der Extremitäten verringert und das Blut verstärkt zum Körperkern geleitet, um lebenswichtige Organe zu schützen.
Nach etwa fünf bis zehn Minuten im kalten Wasser kann es jedoch zu einer Gegenreaktion kommen: Die Blutgefäße weiten sich wieder, ein Prozess, der als kälteinduzierte Vasodilatation (CIVD) bekannt ist. Dabei nimmt die Durchblutung von Händen und Füßen kurzfristig zu – vermutlich, um Gewebeschäden vorzubeugen.
Diese Kreislaufanpassungen gehen mit stoffwechselbedingten Veränderungen einher. Kaltes Wasser kann die Aktivierung von braunem Fettgewebe fördern, das gespeicherte Energie nutzt, um Wärme zu erzeugen. Studien zeigen, dass diese Prozesse den Stoffwechsel anregen und die Blutzuckerregulation verbessern können, auch wenn dies nicht zwangsläufig zu Gewichtsverlust führt.
Insgesamt zeigt sich, dass der Körper versucht, ein Gleichgewicht zwischen Wärmeerhalt, Durchblutung und Energieverbrauch herzustellen – ein beeindruckendes Beispiel menschlicher Anpassungsfähigkeit.
Wie sicher ist Kaltwassertherapie?
Die Beliebtheit von Kaltwassertherapie und mobilen Eisbädern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dennoch gibt es bislang keine eindeutigen wissenschaftlichen Empfehlungen zu optimaler Dauer oder exakter Temperatur.
Das bedeutet nicht, dass Kaltwassertherapie vermieden werden sollte – sondern vielmehr, dass extremere Bedingungen nicht automatisch bessere Ergebnisse liefern. Kälter oder länger ist nicht gleich gesünder.
Auch Temperaturen über dem oft empfohlenen Bereich von 11–15 °C können sinnvoll sein. Entscheidend ist, auf den eigenen Körper zu hören und die individuelle Komfortzone zu respektieren.
Sicherheitstipps für den ersten Einstieg
Wenn du den Cold Pod zum ersten Mal – oder generell – nutzt, solltest du folgende Punkte beachten:
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Sprich vorab mit deinem Arzt, insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen
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Nutze den Cold Pod niemals allein
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Plane den Ein- und Ausstieg im Voraus
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Halte Handtücher, warme Kleidung oder einen Dry Robe bereit
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Beende die Session sofort bei Taubheit, Schmerzen oder starkem Zittern
Zusammenfassung
Kälteexposition bietet potenzielle Vorteile, ist jedoch nicht ohne Risiken. Ein grundlegendes Verständnis darüber, wie der Körper auf kaltes Wasser reagiert, hilft dabei, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und sicher zu handeln.
Mit einem bewussten, kontrollierten Ansatz und der richtigen Vorbereitung kann Kaltwassertherapie eine bereichernde Ergänzung für Gesundheit und Wohlbefinden sein – Sicherheit sollte dabei immer an erster Stelle stehen.